Konkret werden!

Vier kleine Kapitel – vier große Geschichten?

In Aufbau- und Leistungskursen der BVB Evonik Fußballakademie können besonders begabte junge Spieler ihr Talent verfeinern.

Bis heute haben 40 Talente über diesen Weg den Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum geschafft. Auch die kleine Mia. Oder der großgewachsene Felix. Dazu Arvit und Kjell.
 
Reden wir kurz über Mia. Als Mia anfangs nach Dortmund kam, hatte ihr Vater immer einen Schlafanzug für sie dabei. Nicht, dass die kleine Fußballerin mit dem mega-großen Kickerherz beim Training in der BVB Evonik Fußballakademie einzuschlafen drohte. No way! Einschlafen ist ungefähr das Allerletzte, was Mia in den Sinn käme, wenn ein Ball in der Nähe ist.
 
Nein, das mit dem Schlafanzug hatte einen anderen Grund. Mias Familie wohnt an der niederländischen Grenze. Und weil die Tochter nach dem anstrengenden Training auf dem Akademie-Gelände am Rabenloh, im Schatten der Westtribüne des SIGNAL IDUNA PARK, im Auto gerne mal einschlief, zog der Papa ihr vor der Rückfahrt den Schlafanzug an. Zu Hause musste er sie dann nur noch in ihr Zimmer tragen und in ihr Bett legen – wo sie sehr wahrscheinlich süße Fußball-Träume träumte, in denen noch wahrscheinlicher die Farben Schwarz und Gelb eine nicht ganz unerhebliche Rolle spielten.
 
Mia gibt es wirklich. Als die talentierte Kickerin zum ersten Mal in der BVB Evonik Fußballakademie trainierte, war sie sechs Jahre jung. Jetzt ist sie neun – und wird künftig, weil es bei Borussia Dortmund ja keine Mädchen-Mannschaften gibt, im Nachwuchsleistungszentrum von Borussia Mönchengladbach spielen. Das ist irgendwie großartig und irgendwie traurig für Mia, und irgendwie ist es auch großartig und traurig für das Trainerteam der Akademie, das die Kleine natürlich ins Herz geschlossen hat und ihr jetzt die Daumen drückt, dass sie die Chance bei der anderen Borussia nutzen kann. So richtig großartig ist es letztlich nur für Mias Papa. Der hatte zuvor schon drei Jahre lang ihren älteren Bruder regelmäßig von der holländischen Grenze nach Dortmund gefahren und freut sich nun auf ein Leben ohne Verkehrsnachrichten und Staumeldungen.
 

Vier Säulen für den großen Traum

 
Wir sind – herzlich willkommen – mal wieder zu Gast in der Fußballakademie am Rabenloh. Dieser feinen Talentschmiede, die auf vier stabilen Säulen steht: den Breitensportangeboten und den Internationalen Angeboten, über die wir in der BORUSSIA schon berichtet haben, den Sozialen Projekten, die wir noch vorstellen werden, und den Leistungsorientierten Angeboten. Um die geht’s heute. Und damit auch um die mittlerweile fünf Partnervereine, mit denen der BVB kooperiert, um Kinder und Jugendliche aus einem sehr großen Umkreis ein- bis zweimal pro Woche zusätzlich zum Training in ihren Heimatklubs fördern zu können, ohne dass sie ständig die weite Fahrt nach Dortmund auf sich nehmen müssen. “Wir möchten, dass die Spieler so lange wie möglich in ihrem sozialen Umfeld bleiben können, ihre Familie um sich und Zeit für ihre Freunde haben können”, sagt Torsten Sengteller.
 
Der 55-Jährige, der ab 2008 zunächst im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) gearbeitet hat, verantwortet seit drei Jahren den sportlichen Bereich an der Akademie. Sengteller hat sich zum Ziel gesetzt, das NLZ und die Akademie und die Partnervereine noch sehr viel enger miteinander zu vernetzen. Gerade die Kooperation mit dem SC Münster 08, dem 1. FC Bocholt, dem GSV Moers sowie neuerdings auch dem SV 20 Brilon und dem 1. FC Wülfrath hat in der jüngeren Vergangenheit einen richtigen Schub erfahren.
 
Über seine fünf Partnervereine bezieht Borussia auch Spieler ein, die außerhalb eines Radius‘ von 40 bis 50 Kilometern um Dortmund wohnen. Sie können weiter bei ihren Heimatklubs trainieren. Und andere talentierte Kicker, die im näheren Umfeld dieser Heimatklubs spielen, können ebenfalls bei den Kooperationspartnern des BVB mittrainieren, wenn einmal in der Woche ein Fußballtrainer der Akademie vor Ort ist, um Leistungstraining anzubieten.
 
Denn darum geht’s bei den Leistungsorientierten Angeboten. In Aufbau- und Leistungskursen können besonders begabte junge Spieler ihr Talent verfeinern. Einen solchen Kurs kann man nicht buchen. Man kann sich nicht einfach anmelden. Zum Aufbau- oder Leistungskurs wird man eingeladen. Wer eine Einladung erhält, ist vorher bereits aufgefallen. Und zwar positiv. Vorher – das kann an einem “Tag der Talente” passiert sein, die der BVB und jeder Partnerverein einmal im Jahr ausrichtet. Oder bei einem der Breitensportangebote: einem Förder-, Spieltags- oder Geburtstagskurs. Unlängst fiel ein Kicker bei einem “Borussini-Kurs” auf. Die Teilnahme hatte er gewonnen.
 

“Wir reden viel mit den Eltern”

 
“So etwas passiert natürlich nicht ständig, aber es passiert immer mal wieder”, erzählt Vanessa Heim. Die 28-Jährige gehört ebenfalls zum Trainerteam, koordiniert die Aufbau- und Leistungskurse, pflegt die Kooperationen zwischen der Akademie, vielen Kindertagesstätten und Schulen. Und sie hält engen Kontakt zu den Eltern. Die sind – nicht nur als Fahrer der Fußball-Taxis – ganz wichtige Bausteine. Sie sollen positiv motivieren statt Druck aufbauen. Sie sollen loben, nicht meckern. Sie sollen sich verbal zurückhalten und sportlich nicht einmischen, denn auf dem Platz haben die Trainer und nur die Trainer das Sagen. “Wir reden viel mit den Eltern, und ehrlich gesagt: Soooooo schwierig ist das gar nicht”, findet Vanessa Heim. Was möglicherweise aber auch daran liegt, meint Dennis Horschig (38), “dass wir mit den Kindern und Jugendlichen keine Spiele am Wochenende haben, wo es dann darum geht, wer in der Startelf steht und wer wie viel Einsatzzeit bekommt”. Zudem hat Horschig beobachtet, dass “viele Eltern doch Respekt haben, wenn sie das Trainingsgelände der Akademie betreten”. Also schwarzgelben Boden. Da haben es Vereinstrainer manchmal erheblich schwerer.
 
Klar ist: Es reicht beileibe nicht aus, besser als andere vor den Ball treten zu können, um ein richtig guter Fußballer zu werden. Deshalb bietet der BVB auch mehr an als nur altersgerechte Übungseinheiten auf dem Platz, die bei den Kleinen an die Heidelberger Ballschule angelehnt sind, auch mal durch Yoga-Übungen ergänzt werden oder Life Kinetik® – also frei übersetzt: Gehirntraining durch Bewegung – mit einbeziehen. Auch Ernährungs-Tipps und -Workshops gehören zum ganzheitlichen Ansatz. Und dann geht es immer wieder natürlich auch darum, jene Werte zu vermitteln, die Borussia Dortmund wichtig sind. “Die Teilnehmer unserer Aufbau- und Leistungskurse lernen auch, wie man sich korrekt verhält, wenn man das BVB-Logo auf der Brust trägt.” Das klingt sehr streng, ist es aber gar nicht. Die sechs wichtigsten Regeln stehen an der Wand der Umkleidekabine auf dem Trainingsgelände und haben ganz viel zu tun mit Respekt und Teamgeist und Zusammenhalt. Also mit dem, was unter Mannschaftssportlern selbstverständlich ist und den Sport überhaupt erst ausmacht. Die Regeln stehen gleichwertig untereinander, aber vielleicht gehört die unterste eigentlich doch ganz nach oben, denn sie enthält in vier Worten das Credo der Trainer: “Wir haben gemeinsam Spaß.” Darum geht’s vor allem.

  • Wir sind gemeinsam ein Team.
  • Wir spielen fair und mit vollem Einsatz.
  • Wir respektieren und unterstützen uns gegenseitig.
  • Wir streiten uns nicht.
  • Wir können aufeinander vertrauen.
  • Wir haben gemeinsam Spaß und lachen nicht über andere.

 

Die Verbindung bleibt

 
Das Konzept hat Erfolg. Das belegen letztlich die nackten Zahlen. Bis heute haben 40 Talente über die BVB Evonik Fußballakademie den Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum geschafft. 17 Feldspieler und zwei Torhüter ins NLZ von Borussia Dortmund. Noch einmal so viele in die Leistungszentren anderer Klubs: VfL Bochum, Rot-Weiß Oberhausen, Borussia Mönchengladbach und – ja, auch das kommt vor – FC Schalke 04.
 
Einer von ihnen ist Felix Buer. Als der heute 20-Jährige unter Chef-Torwarttrainer Rüdiger Kos seinen ersten Förderkurs absolvierte, war er zwölf Jahre jung. Buer kam wieder und wieder und wieder. Über Rot-Weiss Essen und Oberhausen fand er seinen Weg zu Werder Bremen. Dort spielt er jetzt in der U23, trainiert bei den Profis mit und gehörte unlängst, als der BVB den SV Werder zum Bundesliga-Spiel empfing, als dritter Keeper mit zum Kader. Rüdiger Kos freute sich, als Buer im Vorfeld Kontakt mit ihm aufnahm und fragte, ob sie sich am Rande des Spiels sehen könnten. “Wir begleiten die Spieler und ihre Eltern ja häufig über viele Jahre hinweg. Natürlich verfolgt man dann auch nach Möglichkeit, was aus den Jungs wird”, sagt Kos. Und dass die Verbindung weiter hält, wenn die Kicker die Akademie längst verlassen haben, ist durchaus keine Seltenheit.
 
Auch Arvit hat als Torhüter über einen Leistungskurs an der Akademie den Sprung ins Leistungszentrum geschafft, wo er jetzt das Gehäuse der U11 hütet. Und Kjell Wätjen nahm 2015 an einem Ferienkurs teil, als er noch in der U9 des FSV Gevelsberg spielte. Von dort wechselte er in die U10 des BVB. Inzwischen spielt er in der U14, ist einer der Leistungsträger und schaffte es unter der Überschrift “Spielfreudiger Aktivposten” als Nachwuchsspieler des Monats im November 2019 in die BORUSSIA. Fleißig und durchsetzungsstark sei Kjell, sagt Trainer Karsten Gorges und lobt dessen vorbildliche Einstellung zum Sport große Lernbereitschaft. Kjell selbst sagt: “Ich mag hohes Tempo, bin torgefährlich, habe einen guten Überblick und spiele immer wieder Bälle in die Tiefe. Ich bin sehr ehrgeizig und deshalb manchmal auch zu hastig in meinen Aktionen. Daran arbeite ich.” Ein gesundes Selbstbewusstsein, gepaart mit der Fähigkeit zur Selbstkritik. Zwei wichtige Tugenden, um vielleicht den Sprung zu schaffen vom Top-Talent zum Top-Spieler.
 
Die kleine Mia, der kleine Arvit, der nicht mehr ganz so kleine Kjell und der inzwischen große Felix. Vier kleine Geschichten aus dem Leistungsbereich der BVB Evonik Fußballakademie. Oder genauer gesagt: Vier kleine Kapitel, aus denen große Geschichten werden können. Fußball-Geschichten, die von erfüllten Träumen erzählen. Vanessa Heim und Torsten Sengteller und Dennis Horschig und Rüdiger Kos wären dann gewissermaßen die Co-Autoren dieser Geschichten.

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