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Die BVB Evonik Fußballakademie feiert ihr zehnjähriges Bestehen

Die BVB Evonik Fußballakademie ist vom typischen Start-Up mit überschaubarem Organisationsgrad zu einer höchst professionellen Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit weltweiten Aktivitäten herangewachsen.

Ganz am Anfang war: Sylt?! Und eine fixe Idee. Im Sommer 2007 war das. Vier Jahre später, am 21. Juli 2011, versendete Borussia Dortmund dann eine Medieninfo. „Am kommenden Montag ist es soweit“, hieß es darin. „Der BVB eröffnet an diesem Tag »Im Rabenloh«, im Schatten des Signal Iduna Parks, seine eigene Fußballschule.“ Die feiert jetzt zehnjähriges Bestehen. BVB Evonik Fußballakademie heißt sie inzwischen und ist vom typischen Start-Up mit überschaubarem Organisationsgrad und maximalen Anforderungen an die Improvisationskunst der Beteiligten zu einer höchst professionellen Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche mit weltweiten Aktivitäten herangewachsen. Über die erstaunliche Erfolgsgeschichte in Schwarzgelb haben wir mit drei Geburtshelfern gesprochen: Christian Diercks, Jan Frederik Luig und Bärbel Huber waren schon am Tag eins dabei – und sind es heute noch.
 
Wie alles begann
 
Zurück nach Sylt. Dort nahm Tim Suplicki im Sommer 2007 an der Ferien-Fußballschule von Ex-Profi Michael Rummenigge teil. Tim ist der Sohn von Olaf Suplicki. Er hatte Ende 2004, auf dem Höhepunkt der existenzbedrohenden Finanzkrise des BVB, die Fanabteilung initiiert, mitgegründet – und leitete sie in den ersten Jahren auch. Seine fixe Idee nach der Rückkehr von Sylt: So eine Fußballschule braucht Borussia auch! Fix war die Idee vor allem deshalb, weil die Schwarzgelben 2007 zwar das Gröbste überstanden hatten, Geld aber immer noch eine begrenzte Ressource war. Und so ging es mit der Umsetzung der fixen Idee nicht fix. Wer Suplicki kennt, weiß allerdings: Hat er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt… 2010 nahm das Thema dann Fahrt auf. Die Profis hatten ihren Trainingsbetrieb längst nach Brackel verlagert. Das frühere Gelände am Rabenloh lag mehr oder weniger brach. Und in Carsten Cramer, dem neuen Direktor für Marketing und Vertrieb, fand Olaf Suplicki einen Hardcore-Fan und Unterstützer seiner Idee. Neun Monate später starteten die ersten Ferienkurse. Und sie waren mit 500 Teilnehmern … ausverkauft!
 

Ein leerer Block – eine volle To-Do-Liste

 
Jan Frederik Luig (37), erst im Sommer 2010 vom SC Paderborn in den Nachwuchsbereich des BVB gewechselt, erinnert sich: „Ich erhielt im Herbst 2010 die Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, in einer Klub-eigenen Fußballschule den Bereich Sport zu übernehmen.“ Lange überlegen musste er nicht. Schon bald darauf saßen die Geburtshelfer mit einem Kuli in der Hand und vielen Fragezeichen im Kopf in kleiner Runde um einen großen Tisch. Vor sich leere Schreibblöcke. „Wir haben wirklich bei null angefangen“, sagt Luig. Am Ende des Kick-Off-Gesprächs war sein Block gut gefüllt. Mit vielen Ideen, vor allem aber mit einer ganz konkreten To-Do-Liste. Sein Aufgabenplan für die kommenden Wochen. Projektmanagement analog. Ganz oben auf der Liste: 1.) ein sportliches Konzept und 2.) die Trainerakquise. „Natürlich haben wir zuerst die Übungsleiter unserer eigenen U-Mannschaften angesprochen. Dann aber auch externe. Gestartet sind wir mit einem ganz kleinen Team“, erinnert sich Jan Frederik Luig. Nicht einmal zehn Coaches waren es zu Beginn – heute sind es mehr als 80!
 

Vom Autogrammsammler zum Akademieleiter

 
Einer dieser Trainer der ersten Stunde war Christian Diercks. Geboren in Essen, war er als BVB Fan aufgewachsen, hatte als Kind am Rabenloh nach dem Training die Autogramme der Profis gesammelt, schon sehr früh selbst den Trainerschein erworben, in Köln Sport studiert und am Nachwuchsleistungszentrum von Alemannia Aachen gearbeitet. Als er auf der Homepage las, dass Borussia Dortmund eine Fußballschule plant und Trainer sucht, war die Fortsetzung der Geschichte irgendwie logisch. Diercks stieg nebenberuflich als Coach ein, leitete schnell zahlreiche Kurse – und leitet heute, inzwischen 35 Jahre jung, die Akademie.
 

Bärbel Huber – Fachfrau für den Wohlfühlfaktor

 
Und dann war und ist da ja noch Bärbel Huber. Die etwas andere Spielerfrau. Verheiratet mit BVB-Legende Lothar Huber. Seit mehr als 25 Jahren im Verein aktiv, anfangs als Leiterin des Fanshops im August-Lenz-Haus, später dann die uneingeschränkte und von allen respektierte Chefin am Rabenloh. „Herbergsmutter“ nennen sie die einen, „Mutter der Kompanie“ sagen die anderen über die 62-Jährige, die vieles zu erzählen hätte: Davon, wie der BVB zu Ottmar Hitzfelds Zeiten auf der Suche nach einem Ausweichquartier die Dortmunder Amateurvereine abtelefonierte, weil er auf dem „Acker“ am Rabenloh nach Regen- oder Schneefällen mal wieder nicht trainieren konnte. Oder davon, dass Roman Weidenfeller nach ausgiebiger Regeneration in Sauna und Whirlpool stets als Letzter und lange nach allen anderen das Gelände verließ. Vor allem aber kennt Bärbel Huber die Geschichte und Geschichten der BVB Evonik Fußballakademie. „Im ersten Jahr haben wir die Teilnehmerlisten noch von Hand geschrieben. Die Ausrüstung für die Kinder haben wir in Plastiktüten gepackt, die Tüten und Trinkflaschen mit einem Edding beschriftet. Das Mittagessen für die Kinder fand im alten Medienraum des Stadions statt“, erzählt sie. „Da war anfangs ganz viel Improvisation gefragt. Nicht viel denken – einfach machen.“ Learning by doing oder Training on the job, wie man neudeutsch sagen würde. „Echte Handarbeit“, sagt Bärbel Huber, die lieber Revierdeutsch als Neudeutsch spricht. Und echtes Teamwork. „Der Zusammenhalt war toll. Die ganze Truppe hat nach dem Training noch lange zusammengesessen, gequatscht und überlegt, was wir anders und besser machen können. Manche Trainer kannten gar kein Zuhause mehr.“
 

Von Feldbetten und verschneiten Gebirgspässen

 
Auch Christian Diercks und Jan Frederik Luig, Videoanalyst im Nachwuchsleistungszentrum des BVB und in dieser Funktion als Teil des Funktionsteams mit der U23 gerade in die 3. Liga aufgestiegen, können solche Anekdoten beitragen. Vom ersten Auswärtskurs der Akademie etwa. Der fand Ostern 2012 in Sassenberg statt. Shinji Kagawa schaute als prominenter Gast vorbei. Den Einkauf fürs Abendessen erledigten die Trainer im örtlichen Supermarkt und übernachteten auf Feldbetten in den Umkleidekabinen des Amateurvereins. Eher abenteuerlich und exotisch waren auch die ersten Auslandseinsätze. „Bei Anfragen aus anderen Ländern haben wir anfangs die Klubs aufgesucht und uns die Rahmenbedingungen vor Ort angeschaut. Eine dieser frühen Touren führte Jan Frederik nach Österreich. Weil der reservierte Mietwagen in Klagenfurt nicht verfügbar war, ging es mit einem Kleinstwagen Richtung Kitzbühel. Das Navi, auf „Kürzeste Strecke“ eingestellt, leitete im Schneetreiben über die Serpentinen eines verschneiten Gebirgspasses. Der Glaube, das Ziel jemals zu erreichen, schwand mit jedem Höhenmeter.
 

Selbstgestrickte Socken und das jährliche Erinnerungsfoto

 
Zehn Jahre später ist die im Schweinsgalopp an den Start gebrachte Fußballschule ein professionell durchgetaktetes Unternehmen. „Aber familiär“, sagt Bärbel Huber, verantwortlich für den Wohlfühlfaktor, „ist es immer noch. Auch wenn ich heute nicht mehr jeden kenne.“ Dafür kennt ja jeder sie. Viele Kinder und Jugendliche kommen schon seit Jahren. Immer und immer wieder. Und mit ihnen ihre Eltern. Manche bringen Bärbel Huber, die schnell friert, wenn’s draußen fröstelt, Wärmekissen, selbstgestrickte Socken oder ein Schnäpschen mit. Andere machen seit 2011 in jedem Jahr ein Erinnerungsfoto mit ihr. Entstanden sind ganze Fotogalerien, die gerahmt an der Wand hängen. Die Improvisation der ersten Zeit ist inzwischen einer großen Routine gewichen. Die Akademie hat Destinationen in Asien, den USA und Südamerika und kooperiert mit zahlreichen Partner vereinen und vermittelt neben dem reinen Fußball-Knowhow auch die gesellschaftlichen Werte, die dem Klub besonders wichtig sind. Soziales Engagement ist fester Bestandteil der Arbeit. So führte der BVB gemeinsam mit seinem Ex-Profi und Klub-Botschafter Dédé in Sao Paulo einen Workshop für Trainer durch, die mit Kindern und Jugendlichen aus den Favelas, den Armenvierteln der Millionenmetropole, arbeiten und dabei eigentlich mehr Sozialarbeiter als Fußballlehrer sind.
 

Corona als Beschleuniger für die Digitalisierung

 
Erfahrungen wie diese sind es, die Christian Diercks jedes Mal wieder Gänsehaut verursachen. In den vergangenen 15 Monaten waren sie seltener als sonst. Die Corona-Pandemie schlug natürlich auch auf die Arbeit der Fußballakademie voll durch. „Im Sommer und Herbst 2020 konnten wir in Deutschland die meisten Angebote unter strengen Hygieneregeln noch durchführen“, sagt er. „International war es sehr schwierig und anspruchsvoll, weil überall andere Rahmenbedingungen herrschten.“ Mit dem harten Lockdown ab November vergangenen Jahres kam der Akademiebetrieb dann weitgehend zum Erliegen. Also haben Diercks und sein Team aus der Not eine Tugend gemacht. „Unser YouTube-Kanal mit vielen Angeboten und Videos bietet nicht nur Torwarttraining für zu Hause, sondern auch Heimspielkurse und Challenges.“ Darüber hinaus arbeiten wir gerade an einer digitalen Trainingsplattform als Tool für die weltweite Vernetzung. Da haben wir jetzt richtig Vollgas gegeben. Corona hat das Projekt deutlich beschleunigt.“ Keine Frage: Entscheidend ist auch künftig „auffem Platz“. Zur realen Welt gesellt sich die digitale. Die Fußballakademie hat die Weichen frühzeitig gestellt. Im Sommer 2031 wird sie wieder feiern. Das Zwanzigjährige…
 
Beitrag aus der Borussia-Ausgabe 184 – Juli 2021 

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